Lied des Verfolgten im Turm Der Gefangene: Die Gedanken sind frei, Wer kann sie erraten? Sie rauschen vorbei Wie nächtliche Schatten. Kein Mensch kann sie wissen, Kein Jäger sie schießen; Es bleibet dabei, Die Gedanken sind frei. Das Mädchen: Im Sommer ist gut lustig sein Auf hohen wilden Heiden, Dort findet man grün Plätzelein, Mein herzverliebtes Schätzelein, Von dir mag ich nit scheiden. Der Gefangene: Und sperrt man mich ein Im finstern Kerker, Dies alles sind nur Vergebliche Werke; Denn meine Gedanken Zerreißen die Schranken Und Mauern entzwei, Die Gedanken sind frei. Das Mädchen: Im Sommer ist gut lustig sein Auf hohen wilden Bergen; Man ist da ewig ganz allein, Man hört da gar kein Kindergeschrei, Die Luft mag einem da werden. Der Gefangene : So sei es, wie es will, Und wenn es sich schicket, Nur alles in der Still; Und was mich erquicket, Mein Wunsch und Begehren Niemand kann’s mir wehren; Es bleibet dabei, Die Gedanken sind frei. Das Mädchen: Mein Schatz, du singst so fröhlich hier Wie’s Vögelein in dem Grase; Ich steh so traurig bei der Kerkertür, Wär ich doch tot, wär ich bei dir, Ach, muß ich denn immer klagen? Der Gefangene : Und weil du so klagst, Der Lieb ich entsage, Und ist es gewagt, So kann mich nicht plagen! So kann ich im Herzen Stets lachen, bald scherzen; Es bleibet dabei, Die Gedanken sind frei.

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Lied des Verfolgten im Turm

Der Gefangene:

Die Gedanken sind frei,

Wer kann sie erraten?

Sie rauschen vorbei

Wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen,

Kein Jäger sie schießen;

Es bleibet dabei,

Die Gedanken sind frei.

Das Mädchen:

Im Sommer ist gut lustig sein

Auf hohen wilden Heiden,

Dort findet man grün Plätzelein,

Mein herzverliebtes Schätzelein,

Von dir mag ich nit scheiden.

Der Gefangene:

Und sperrt man mich ein

Im finstern Kerker,

Dies alles sind nur

Vergebliche Werke;

Denn meine Gedanken

Zerreißen die Schranken

Und Mauern entzwei,

Die Gedanken sind frei.

Das Mädchen:

Im Sommer ist gut lustig sein

Auf hohen wilden Bergen;

Man ist da ewig ganz allein,

Man hört da gar kein Kindergeschrei,

Die Luft mag einem da werden.

Der Gefangene :

So sei es, wie es will,

Und wenn es sich schicket,

Nur alles in der Still;

Und was mich erquicket,

Mein Wunsch und Begehren

Niemand kann’s mir wehren;

Es bleibet dabei,

Die Gedanken sind frei.

Das Mädchen:

Mein Schatz, du singst so fröhlich hier

Wie’s Vögelein in dem Grase;

Ich steh so traurig bei der Kerkertür,

Wär ich doch tot, wär ich bei dir,

Ach, muß ich denn immer klagen?

Der Gefangene :

Und weil du so klagst,

Der Lieb ich entsage,

Und ist es gewagt,

So kann mich nicht plagen!

So kann ich im Herzen

Stets lachen, bald scherzen;

Es bleibet dabei,

Die Gedanken sind frei.

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